Donnerstag, 29. Oktober 2009
Letzter Tag.... erstmal
Die letzten beiden Tage waren spannend. Die OP des "Falxmeningeoms" (ein gutartiger Tumor, der im vorderen, oberen Teil des Gehirns waechst, mein Schatz) verlief gut, und dem Patienten geht's gut, obwohl ich tatsaechlich assistiert habe. Fuer den kritischen Part kam aber der Consultant dazu.
Heute war O.P.D., quasi Sprechstundenzeit mit einem Neugeborenen mit einer Enzephalozele, die groesser als der Kopf des Babys war, ein Mann mit einem Guillain-Barre-Syndorm, ein Maedchen mit einem grossen parietalen Ependymom und viele mehr.
Das Maechen hat wegen der nur in einem privaten Krankenhaus Kathmandus erhaeltlichen und teuren Strahlentherapie leider sehr schlechte Karten. Sie hatte bereits eine OP, das post-OP MRI zeigte aber wieder eine riesigem blumkohlartigen (das steht tatsaechlich nicht nur in den Buechern so) Tumor. Dies ist nur eines der taeglichen Beispiele dafuer, wie grausam es ist, wenn wie in Nepal, Geld ueber Leben entscheidet. Vorgestern ist ein Patient verstorben, der zugegeben eh keine gute Chancen hatte, weil sich die Familie nicht leisten konnte, die Medikamente fuer die Wiederbelebung und vorallem das sich daran anschliessende ICU-Bett weiter zu bezahlen. Ich find in solchen Momenten den Vergleich mit daheim, wo so haeufig fast schon zu viel getan wird, um jeden Patienten am Leben zu erhalten, unglaublich frappierend.
Mittwoch, 28. Oktober 2009
Kurzer Eintrag bevor der Strom ausgeht
In den letzten Tagen streife ich wie ganz zu Beginn wieder durch Kathmandu, besichtige Tempel und geh shoppen. Heute war ich nochmal beim "Monkeytempel", Swayambunath. Da ist's zu schoen, und wohl die einzige Stelle Katmandus, von der man "himal", Schnee-bedeckte Berge sehen kann.
Morgen werde ich den groessten hinduistischen Tempel Nepals Pashupatinath anschauen fahren, von woher staendig Rauch aufsteigt, wegen der direkt vor dem Tempel stattfindenden traditionellen Feuerbestattungen, die einige besch... Touris, von denen es hier wieder viel zu viele gibt, auch noch kraeftig Fotos machen.
Ich hab mir so ein straffes Touriprogramm gesetzt, weil trauriger Weise meine Zeit hier sich dem Ende neigt. Kommende Woche werde ich mir eine Woche Urlaub goennen, und in den letzten Tagen wird es genug zu erledigen geben, inklusive der ueberfaelligen Momo-Party mit meiner Familie, auf die ich mich schon sehr freue.
Im Krankenhaus, derzeit auf der Neurochirurgie, bleibt es weiterhin spannend. Heute gab's eine Lehrvisite der neurologischen und neurochirugischen Unit. Dadurch lernte ich zufaellig den Vizechef der medizinischen Fakultaet kennenlernte, der drei Jahre seiner Facharztausbildung in Frankfurt verbracht hat. Ich konnte von ihm sehr interessante Fakten ueber die Japanische Enzephalitis und Malaria in Nepal erfahren und wurde im Anschluss auch noch zum Lunch eingeladen.
Morgen steht grosse OP mit Exzision eines Falxmeningeoms an, und der Resident hat mir heut Angst gemacht, indem er meinte, es koennen gut sein, dass unser Consultant morgen keine Lust hat, und ich ihm assistieren muss. Ich wuerde meine erste Hirntumor-OP lieber mit einem Meter Abstand beobachten.
So, Licht ist noch an. Ich werde mich jetzt aber doch mal nach Hause begeben, und der Mamu meine vorhin erstandenen Gemuese ueberreichen. Vielleicht kocht sie die ja gleich noch heute Abend.
Dienstag, 20. Oktober 2009
Back again in Kathmandu
Unser Wochenendeausflug war natuerlich dennoch eine gute Idee. Und es war toll mal wieder zu wandern, auch wenn der Hals schon ordentlich kratzte. Von der Dachterrasse in Panauti Hotel konnten wir am Sonntag Abend wunderbar das erleuchtete Panauti sehen, denn es war Tihaar, nach Dashain das zweitgroesste Festival in Nepal, auch Lichterfest genannt.
Am ersten Tag wird die Kraehe geehrt, denn die Kraehe bringt Nachrichten des Todes. Am zweiten Tag wird der Hund geehrt, denn er ist ein anderer Bote des Todes. Hunden werden Girlanden aus Marygold um den Hals gehaengt und Tikas auf die Stirn gemalt. Am dritten Tag wird zunaechst die Kuh geehrt, aehnlich wie der Hund und abends wird die Goettin des Wohlstandes Lakshmi ins Haus geladen. Man putzt das Haus bis es blinkt, dekoriert es mit Blumen und Lichtern und malt eine Spur auf den Boden, typischer Weise mit Lehm, um der Goettin den Weg zu zeigen. Vor der Haustuer wird ein Muster mit herrlich leuchtendem Farbstaub gemalt, um die Goettin anzulocken. Dann wird wohl alles Geld im Hause auf einen Tisch gepackt und gehofft, die Goettin wuerde es vermehren. Am letzten Tag gehen die nepalesischen Brueder ihre Schwestern besuchen, empfangen eine siebenfarbige Tika und jede Menge nettes Essen, muessen dafuer aber Geschenke bringen. Die typisch nepalesischen aus Milch und Zucker gemachten Suessigkeiten sind waehrend des gesamten Festivals essentiell und so verwandelten sich Ende letzter Woche komplette Laede inclusive meines Lieblingscafes in Suessigkeitenlaeden.
Ausserdem sind Knaller, Raketen etc. besonders an den letzten zwei Tagen des Festivals schwer im Trend. Das Problem ist nur, dass hier das ganze Billigzeug aus China gekauft wird, von dem 50% eh nicht explodiert. Dazu kommt, dass eigentlich nur Kinder, unbeaufsichtigte Kinder mit dem Knallzeug spielen. Gefaehrliche Mischung, wie man sich vorstellen kann und ich bin froh, dass ich hier grad nicht auf der Paediatrie arbeite. Ich hab genug schlimme Stories gehoert in den letzten Tagen.
Leider habe ich weiterhin arge Probleme mit meiner Kamera und kann deshalb keine Fotos hochladen. Ich hab das Gefuehl, es koennte am Kabel liegen. Vielleicht kann ich das Problem also bald loesen.
Samstag, 10. Oktober 2009
Living in family
Wir leben in einem Haus noerdlich des T.U.T.H. und noch noerdlicher vom Touridistrikt Thamel. Ich hatte gar nicht gemerkt, wie es mich anstrengt, in Thamel zu wohnen, doch jetzt merke ich, wie mich schon wenige Stunden dort furchtbar nerven und missmutig stimmen. Das Angequatschtwerden, der dichte Verkehr, der Staub, die peinlichen Touris…. Es hat natuerlich auch gute Seiten: viele nette Cafes, Restaurants, Shoppingmoeglichkeiten…. Hier oben in Basundhara herum zu laufen, ist jedenfalls viel entspannter. Und auch hier gibt es viele Menschen auf der Strasse und Shopping und Cafes nur alles ohne Touris und nicht fuer Touris gemacht. In dem Café, in dem ich mich oft hinsetze um einen supersuessen Milchtee “chiyaa” zu trinken, treten den Jungs mittlerweile keine Schweisperlen mehr auf die Stirn, wenn ich den Laden betrete. Sie sprechen naemlich kaum Englisch, mittlerweile hab ich gelernt, auf Nepali zu bestellen.
Heute war bei uns Familienfeier angesagt. Saurosh’s maennlicher Familienanhang trifft sich alle zwei Monate und dann wird gekocht (die Frauen), geschwatzt, gegessen und Whiskey (fuer die Maenner plus Claudi) und Rotwein (fuer die Frauen) getrunken. Klingt, glaub ich, grad alles viel machistischer als es am Ende ablaeuft. Ich fand’s total nett, gemeinsam auf dem Kuechenboden zu sitzen und massenhaft Gemuese zu schnippeln. Die Maenner steckten immer wieder die Koepfe herein und schnappelten Rettisch, Gurken etc. Ich muss mir einige der “Nachmittagssnacks” von heute unbedingt nochmal zeigen lassen. Unglaublich, was die Nepali aus Gemuese rausholen, selbst fuer mich eingefleischten Vegetarier. Fotos beim naechsten Mal.
Samstag, 3. Oktober 2009
Rund um Dashain Teil II







Wir verbrachten drei Naechte in dem wunderschoen an einem reissenden Fluss gelegenen "New Family Guest House". Am ersten Tag marschierten wir ein paar kurze drei Kilometer rauf nach Kodari, einem unspektakulaeren Ort, direkt an der tibetischen Grenze. Dort postierten wir uns auf der "Friendship Bridge", Auge in Auge mit chinesischen Soldaten an einer dicken roten Linie in der Mitte der Bruecke. Fotos waren leider strengstens untersagt, ein Bild von weit weg, auf dem die graue Freundschaftsbruecke gut zu erkennen ist, findet ihr oben.
Am kommenden Tag machten wir uns auf den Weg zum atemberaubenden 160m-Bungee Jump im "Last Resort". Nach 12km teilweise steilsten Krackselns bei sengender Sonne war im "Last Resort" jedoch alles dicht wegen Dashain. Dafuer gab's ein leckeres dem europaeischen Touri sehr mundendes Sandwich, und der Blick von der Bruecke, von der die Jumper sich herunterstuerzen war fuer mich persoenlich voellig ausreichend.
Am Dienstag, den 30.09. mussten wir uns dann wieder auf den Heimweg machen. Wir waren schlau genug, die Menschenmassen, die nach den Haupttagen des Festivals zurueck nach Kathmandu stuermen wuerden, zu antizipieren und nahmen den Bus um 6.45Uhr. Doch auch das half nix, Fruehaufsteher wie die Nepali nun mal sind und ungeachtet der Tatsache, dass der Bus ja auch erst in Kodari losgefahren sein konnte, gab es schon keine Sitzplaetze mehr. Ich hatte grosses Glueck, ein netter Nepali erkundigte sich, wie weit wir fahren wuerden und als er hoerte bis Kathmandu, ueberreichte er mir das Maedchen, was auf seinem Schoss sass, und ueberliess mir den Platz. Ich fand mich neben einer kraeftigen tibetisch anmutenden Nepalesin und ihrer ein wenig Englisch sprechenden suessen Tochter wieder. Auf der sechsstuendigen Busfahrt kam ausserdem noch ein kleiner Junge in unseren Zweiersitz. Ja ouch!!!
Ein anderer Zwischenfall auf der Reise zeigt, wie ich finde, wunderbar die freundliche Art der Nepalesen: Ein anderer Junge hatte nach den ersten 35km seine zum Fruehstueck verputzten Instantnudeln ueber drei Reihen des Busses erbrochen. Am Anfang waren ein paar Leute darueber veraergert, uebrigens nicht der junge buddhistische Moench, der direkt vor mir stand. Im Laufe von Minuten jedoch wurde ueber den Zwischenfall nur noch Witze gerissen und herzlich gelacht. Bei einem Stop kippte jemand zwei Ladungen Sand auf das Erbrochene und wir fuhren geruchsfrei weiter. So sind sie die Nepali.
Jetzt noch zu den Bildern, mit denen es diesmal hoffentlich klappen wird (auf jeden Fall ein bisschen durcheinander):
1. Die tibetische Grenze bei Kodari mit "Friendship Bridge".
2. Ein Blick nach vorn vom Busdach auf der Fahrt von Dhulikel nach Barabise.
3. Eine lustige alte Frau, der wir auf der Strecke von Nagarkot nach Nala ueber den Weg liefen, und die sich von mir fotografieren liess bei der typisch nepalesischen Art schwere Lasten zu tragen.
4. Daneben ebenfalls auf dem Weg nach Nala, Kinder, die sich unbedingt fotografieren lassen wollten, wenn's schon keine Schokolade gab.
5. Unsere kleine Reisegruppe: Ole, Sandra, Sarah.
6. Das Wolkenmeer ueber dem Nala-Tal vom Balkon des Green Valley Guest Houses.
7. Huegel mit Reisterrassen auf dem Weg nach Nala. Toll, oder?!?
Freitag, 2. Oktober 2009
Rund um Dashain Part I
Ich kann die Photos aus einem mir unerfindlichen Grund nicht reinstellen. Versuch' gleich noch mal separat.
Ja, es war einfach nur geil: die herrliche Luft der Berge, die Abgeschiedenheit und so weiter (das Essen haette noch deutliche Verbesserungsmoeglichkeiten gehabt).
Aber von vorn: zuerst war ja da die OT Party am Donnerstag Nachmittag....Nachmittag: 13Uhr, ohne Alkohol im OP-Trakt. Bitte diese Daten im Auge behalten. Es wurde naemlich ne richtig fette Party mit lecker Nepali-Essen, jeder Menge Chirurgen, OP-Assistentinnen und Abgehotte. Der Chef der Chirurgie war dabei der hartnaeckigste Taenzer, der auch sofort klar machte, dass Ole und ich den Raum nicht verlassen wuerden, ohne wenigstens einmal mit ihm getanzt zu haben. Kaum war mein Teller leer und der Bauch platzend voll, konnte ich mich auch schon tatsaechlich nicht mehr wehren und fand mich in der Mitte des Raumes tanzend mit dem Chef wieder. Zu nepalesischer Musik versteht sich. Er wild gestikulierend. Alle Anderen lachend tarren. Kann man sich ja vielleicht vorstellen wie ich mich da fuehlte.
Im Anschluss dann nach Bhaktapur im hoffnungslos vollen Bus.....und oh auf dem Weg noch einen netten Nepali kennengelernt, der auf den Malediven im Hotel arbeitet. Sowas hoert man hier so oft. Von dort mit ein paar Brocken Nepali: “Nagarkotmaa jaane, “bus stop” kaahaa chhaa?” (dem Kauderwelsch sei Dank) den Bus zum Etappenziel Nagarkot gefunden. Da fuhren wir dann auf dem Dach mit mit ein paar uebermuetigen Nepali, die teilweise nicht mal eine Jacke dabei hatten, und es wurde kalt, denn es ging.....bergauf.
In Nagarkot angekommen war es schon fast dunkel, wir trafen auf Sarah aus Berlin und Sandra aus Hamburg und checkten alle im “Green Valley” ein. Super Hotel. Der Besitzer ist Buddhist und zuendete morgens und abends sehr starke Raeucherstaebchen an und sang buddhistische Gebete, was eine super entspannte Atmosphaere schaffte. Den so gepriesenen Sonnenaufgang konnten wir dank der Wolke, in der wir hingen, leider nicht sehen, dafuer aber das Wolkenmeer unter uns (siehe Photo).
Gegen Mittag nach viel Nepali Tea per Fuss weiter Richtung Nala. Zunaechst bergauf bis zum "Watch Tower" auf dem man mich oben von ein paar netten Indern umgeben sieht, dann nach Banepa und zuletzt per Bus rauf nach Dhulikel, wo wir in einem urfamiliaeren Guest House als einzige Gaeste unterkamen.
Nach einem tollen Morgen auf der Dachterrasse frueh weiter nach Barabise, wieder auf dem Dach, die Sonne zauberte mir wunderbar rote Wangen. In Barabise erfuhren wir, dass es wegen Dashain wohl keinen Bus mehr nach Tatopani geben wuerde. So wenig einladend war Barabise, dass wir uns zu Fuss auf den dreissig Kilometer Weg machten. Gluecklicher Weise kam so ungefaehr nach zehn Minute ein kleiner Lastwagen vorbei, bei dem wir auf die Ladeflaeche aufspringen durften. Die Strasse war abentuerlich, manchmal geteert, groesstenteils nicht und fuehrte ueber Wasserfaelle……ja ueber Wasserfaelle, Geroell und aehnliches hinueber. Am Ende kamen wir aber dennoch oben an.
Und hier endet Teil eins.