Ich bin in Pokhara und sitze in der Strandpromenade der offiziellen "Tourist Area" (wie furchtbar) im Internetcafe.
Mein Ausflug begann am Samstag als ich meine "Nepalese sister" in Gorkha besuchte. Samatha arbeitet dort seit ein paar Wochen im Distrikt Hospital, ein superkleines aber recht schickes Krankenhaus mit 15!! Betten. Gorkha hat einen ebenfalls kleinen aber sehr Geschichts-traechtigen "Durbar Square" (eine Ansammlung hinduistischer Tempel). Um diesen zu erkunden muss man 1500!!!! Stufen steigen, die im Zentrum Gorkhas ihren Ursprung nehmen. Ich war vorgewarnt, deswegen extra frueh losgefahren, brauchte dann aber nicht einmal eine halbe Stunde, um oben anzulangen und begruesste die einzigen beiden Touristen ausser mir, zwei Daenen, mit einem "these were not 1500steps". Beim Abstieg nahm ich die Muehe auf mich, zu zaehlen und siehe da, es waren tatsaechlich 1500 Stufen. Bin doch noch kein Wackelpudding.
Am naechsten Morgen machte ich mich auf ins 50km entfernte Dumre. Gluecklicher Weise ist es wie schon in Unganda auch hier kein Problem den richtigen Bus zu erwischen, da man als offensichtlicher Auslaender in der Regel sehr frueh abgefangen wird. In Dumre ereignete sich ein etwas denkwuerdiger Zwischenfall: Ein 50-jaehriger Nepali, den ich im Bus kennengelernt und der offensichtlich ein Alkoholproblem hatte, war nachdem er herausgefunden hatte, dass ich mit 26 weder verheiratet bin noch Kinder habe, sehr fest davon ueberzeugt, ich wuerde mit ihm auf ein Hotelzimmer gehen. Die Nepalis haben zum Teil ein wirklich sehr schraeges Bild von europaeischen Frauen, besonders, wenn sie allein reisen. Das kommt sicherlich zum Teil von den billigen Hollywood-Filmen, die auf den hiesigen englisch-sprachigen Sendern laufen und natuerlich von entsprechenden Touris.
Um 14Uhr kam endlich der angekuendigte "Jeep", der dann doch ein ziemlich grosser Bus war, der mich ins Krankenhaus in Amppipal bringen sollte. Zunaechst war ich begeistert, dass der Fahrer einmal nicht erst zarte 20 Jahre alt war, doch nach kurzer Zeit stellte sich heraus warum. Mit diesem "ziemlich grossen Bus" naemlich ging es eine "Strasse" hinauf, die eher sich windenden Graeben aehnelte. Ich weiss bis heute nicht wie der Fahrer es schaffte, den Bus nach Amppipal zu bringen, ohne dass dieser umkippte. Ich dachte waehrend der 3 Stunden!!!!! dauernden Schleudertour jedenfalls endlos darueber nach, ob es wohl besser waere, auf meine Seite oder auf die andere Seite umzukippen, wie ich meinen Rucksack retten koenne und ob der deutsche Arzt in Amppipal wohl ein guter Unfallchirurg sei. Gegen 17Uhr aber konnte ich mit schlotternden Knien, bis auf die blauen Flecken vom Herumschleudern ganz heil, dem Bus entsteigen und in der Daemmerung dem Krankenhaus entgegen eilen.
Amppipal ist unglaublich schick, ein mini-kleines Doerflein mit Wahnsinnslage an einem Berghang und einem Blick auf die herumliegenden "prabal" (Berge ohne Schnee) und "himal" (Berge mit Schnee) zum Niederknien.
Der einzige!!! Arzt Amppipals ist ein deutscher Unfallchirurg (tatsaechlich), der seit 6,5 Jahren das Krankenhaus ehrenamtlich betreut. Und es kommt natuerlich Gott und die Welt: Frauen zum Gebaehren (gluecklicher Weise werden's immer mehr), Kinder mit Bronchitis, Kinder mit Verbrennungen, Frauen mit Depressionen, Maenner mit Rueckenschmerzen, Maenner mit zu grosser Prostata, Kinder mit Zahnschmerzen.... Der Wahnsinn!! Und Dr.Starke der wohl jaehzornigste Mensch, der mir jemals untergekommen ist, behandelt sie alle. Moeglich wird das durch ein gutes Team an Krankenschwestern, Physiotherapeuten und Medicals Assistants, durch Spenden von Nepalmed & Co. und nicht zuletzt durch riesiges Engagement und grossen Fleiss von Dr.Starke, der mit knapp 60 nochmal anfing, sich in die Pediatrie, Gynaekologie etc.einzulesen und Nepalesisch zu lernen. Der Tagesablauf: 7.45Uhr Visite, gegen 9.00hr OP, zwischen den OPs O.P.D.(Sprechstunde), nach den OPs weiter O.P.D. bis 17-18Uhr. Jede Nacht "Rufbereitschaft" und samstags erst nach der Morgenvisite frei. Einmal im Jahr Urlaub, um nach Deutschland zu fliegen. Das Ganze im Alter von 64. Wenn das nicht Hingabe ist?!?
Nach zwei Tagen Amppipal musste ich mich heute frueh verabschieden. Eigentlich hatte ich mich darauf gefreut, die schlimmste Strecke des Weges herunter zu wandern, doch dann stand der gepackte Jeep mit angelassenem Motor auf dem Weg. In dem war die "Grabenstrecke" deutlich besser zu bewaeltigen.
Die Strecke von Dumre nach Pokhara war unspektakulaer, genauso wie Pokhara selbst wie ich auf den ersten Einduck finde. Viele Touris und Tourifaenger. Ich werde mich jetzt auf den Weg zu meinem Yoga Retreat machen und mich die kommenden drei Tage dort verkruemeln, vielleicht ja zur inneren Mitte finden:)
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